Laura Polizzi über das Frauenbild nach 1945

Laura „Mirka“ Polizzi in den 1950er Jahren auf einer Wahlveranstaltung
Laura „Mirka“ Polizzi in den 1950er Jahren auf einer Wahlveranstaltung

„Du musstest gleichzeitig Hausfrau, Partei­funktionärin, Mutter sein …‘‘

Laura „Mirka“ Polizzi kämpfte in der Resistenza, dann arbeitete sie als Funktionärin der Kommunistischen Partei (PCI). Der PCI hatte den höchsten Frauenanteil unter den Parteien, auch innerhalb der Führungspositionen. Dennoch hielt er am traditionellen Frauenbild und bürgerlichen Geschlechterverhältnis fest. Im Partisanenverband ANPI war Polizzi Vorsitzende der Frauensektion und Teil des Vorstands auf nationaler Ebene.
Am 22. Januar 2011 ist Laura Polizzi mit 86 Jahren in ihrer Wohnung in Parma gestorben. „Forza, non è finita“ – „Vorwärts, es ist nicht vorbei!“, hieß es bei ihrer Beerdigung.

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Sabotatori

Fernando Cavazzini 2001

Fernando „Toni“ Cavazzini: Fluchthelfer, Saboteur, Genossenschafter

28. Juli 1943: Trotz eines Versammlungsverbotes der Übergangsregierung Bardoglio gehen tausende Beschäftigte der „Reggiane“, einer Rüstungsfabrik für Kampfflugzeuge in Reggio Emilia, für ein Ende des Krieges auf die Straße. Als sie die Werkstore passieren, werden acht Arbeiter und eine Arbeiterin ­erschossen.
Fernando Cavazzini kann sich noch gut an das „Massaker der Reggiane“ erinnern. „Von diesem Tag an wurde ich ein anderer Mensch.“ ­Er wollte nicht mehr weiterarbeiten, als ob nichts gewesen sei, und nahm Kontakt zu den örtlichen Antifaschisten auf. Er half Soldaten bei der Flucht, ging später in die Berge und schloss sich als Partisan „Toni“ der 26° Brigade Garibaldi „Enzo Bagnoli“ an.

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Neue Rechte auf Italiens Straßen

CasaPound-Parteizentrale in Rom
CasaPound-Parteizentrale in Rom

Die Neofaschisten von CasaPound haben sich etabliert

In Deutschland relativ unbeachtet hat es in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Veränderung am rechten Rand der italienischen Politik gegeben. Die Rede ist von der faschistischen Bewegung »CasaPound Italia«, deren Mitglieder sich stolz »i fascisti del terzo millennio « (Faschisten des dritten Jahrtausends) nennen. Gegründet 2003, schaffte es CasaPound, sich von Rom aus über ganz Italien zu verbreiten. Bis zum Jahr 2012 verstand sich CasaPound allein als Bewegung. Seit 2013 nimmt sie auch an Wahlen teil. Mit ihren angeblich 4000 Mitgliedern ist CasaPound verglichen mit den traditionellen rechten Parteien relativ klein, gilt aber öffentlich als nicht korrumpiert und verfügt über ein unverbrauchtes und modernes Image.

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Widerstand klein geredet

Ein Kommentar zur italienisch-deutschen Historikerkommission

Am 18. November 2008 trafen sich Kanzlerin Angela Merkel und ­Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi in Triest. Die ­beiden Außenminister Frank-Walter ­Steinmeier und Franco Frattini nahmen ebenfalls an dem Treffen teil. Hauptthema des ­Gipfels war eine beabsichtigte ­Klage Deutschlands gegen Italien beim Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag, weil die italienische Justiz die Immunität der BRD verletzt habe.
Die wichtigste Entscheidung des Gipfels in Triest war die ­Bildung ­einer mit italienischen und ­deutschen Forschern ­besetzten Historiker­kommission mit dem ­Auftrag, eine ­gemeinsame ­Aufarbeitung der deutsch-­italienischen Kriegs­vergangenheit zu leisten. Im März 2­009 nahm sie die Arbeit auf, und bald machte in den Medien das Wort von der Alibifunktion, die die ­Historiker zu erfüllen hätten, die Runde.

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„Wir wollten ein anderes Land aufbauen‘‘

Giacomo „Willi“ Notari (Jg. 1927) war Partisan in einer kommunistischen Garibaldi-Einheit

Giacomo Notari: Ich war 17, als ich zu den Partisanen ging. Ich ging während des Faschismus zur Schule, komme aus einem Bergdorf im Apennin, aus einer katholisch geprägten Familie. Nur ein Onkel von mir war Antifaschist, aber darüber wurde nicht mit uns Jungen diskutiert. Insofern hatte ich keine politische Vorbildung. Wir lebten in ganz ärmlichen Verhältnissen, wir erwirtschafteten gerade so viel, dass es zum Überleben reichte. Unsere faschistische Regierung ging zwar in Nordafrika Länder besetzen und führte in Spanien Krieg, aber in unseren Dörfern gab es nicht einmal fließend Wasser oder Elektrizität.

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Sabotatori

sabotatori

Dokumentarfilm auf DVD

Was bedeutet es, heute Antifaschist zu sein? Was bedeutet es, 70 Jahre nach der Befreiung zu überleben? Das fragt der Film “Sabotatori” anhand der Geschichte des Zeitzeugen und ehemaligen italienischen Partisanen Fernando Cavazzini, Deckname “Toni”. Seine Geschichte vermischt sich im Film mit denen dreier junger Menschen von heute, die auf den “Partisanenpfaden” in den Bergen der Emilia Romagna wortwörtlich in Tonis Fußstapfen treten. 

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Die Geige aus Cervarolo

Geige aus CervaroloItalien 2012, von Nico Guidetti, Matthias Durchfeld, 75 Min, erzählerische Dokumentation

Die Geige aus Cervarolo handelt von einem Massaker an Zivilisten durch deutsche Truppen im März 1944 – im italienischen Apenninen-Dorf Cervarolo. Und es ist die Geschichte der Geige des Musikers Virgilio Rovali aus Cervarolo – sein Sohn macht sich auf die Suche nach den Spuren der Vergangenheit. Auch aufgrund seiner Recherchen wurden 2011 in Verona Angehörige der Fallschirm-Panzer-Division „Hermann Göring“ als Kriegsverbrecher verurteilt. Der Film dokumentiert die Prozesse aus Perspektive der Überlebenden und Angehörigen der Opfer und gibt ihnen eine Stimme. 

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Partisanen, nehmt mich mit Euch!

Ein Bericht aus der Resistenza

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erhob sich in Italien eine große Zahl von Menschen gegen die deutsche Besatzung und das faschistische Regime. Sie standen vor der Frage: Sollten sie sich den Truppen Mussolinis zur Verfügung stellen oder gegen Krieg und Unterdrückung aufstehen? Vor diese Alternative gestellt, schloss sich im Mai 1944 auch der damals 17-jährige Giacomo Notari aus einem Bergdorf des nördlichen Apennin unter dem Decknamen »Willi« der Resistenza an. Als Partisan in einer Garibaldi-Brigade leistete er seinen Beitrag zur Befreiung Italiens.

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Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema

Mit den Erinnerungen von Enio Mancini

Am 12. August 2014 jährte sich zum 70. Mal der Tag des Massakers im toskanischen Sant’Anna di Stazzema, bei dem Soldaten der SS mindestens 560 Menschen, größtenteils Frauen, Kinder und Alte, ermordeten.
Zu diesem Anlass erschienen erstmals in deutscher Sprache die Erinnerungen von Enio Mancini, in denen er das Leben in dem kleinen Dorf während des Krieges, die Aufnahme der vielen Flüchtlingsfamilien und schließlich die Ereignisse des 12. August 1944 beschreibt. Mancini überlebte als Sechsjähriger mit seiner Familie das Massaker, weil ein deutscher Soldat in die Luft geschossen hatte.
Viele Historiker und Journalisten haben inzwischen über Sant’Anna di Stazzema geschrieben, aber Mancinis Bericht erzählt erstmals die Geschichte aus der Perspektive eines Augenzeugen.
Mit Beiträgen von Christiane Kohl und Maren Westermann, der juristischen Einordnung von Gabriele Heinecke sowie einer Untersuchung des Historikers Carlo Gentile.

Gabriele Heinecke, Christiane Kohl und Maren Westermann (Hrsg.)
Das Massaker von Sant’Anna di Stazzema
Mit den Erinnerungen von Enio Mancini
144 Seiten, € 19, ISBN 978-3-944233-27-7

„Eine Orgel für Sant`Anna“

Maren Westermann besuchte gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Kindern zum ersten Mal 1998 Sant`Anna di Stazzema. Dort lernte sie den Gründer und damaligen Leiter des kleinen Museums, Enio Mancini, kennen, der das SS- Massaker am 12. August 1944 als Sechsjähriger überlebt hatte.
2001 gründete sie mit ihrem Mann die Initiative „Eine Orgel für Sant`Anna“, die unter der Schirmherrschaft der deutschen und italienischen Staatspräsidenten stand, um mit Benefizkonzerten Spenden für den Neubau einer Orgel für die kleine Dorfkirche zu sammeln, deren alte Orgel 1944 zerstört worden war. Nach insgesamt 67 Benefizkonzerten konnte die „Friedensorgel“ 2007 eingeweiht werden. Seither veranstaltet dort die eigens dafür gegründete deutsch- italienische Gesellschaft „Freunde der Friedensorgel Sant`Anna di Stazzema“, zu deren Vorstand auch die Überlebenden Enio Mancini und Enrico Pieri gehören, jeden Sommer im Juli und August Konzerte und Vorträge.
2018 wird die Friedensorgel durch ein neues Pedalregister, einen Subbass, erweitert, um so das Klangspektrum und das Repertoire zu vergrößern. Das Projekt wird durch Privatspenden, die Fondazione Cassa di Risparmio Lucca und den Deutsch- Italienischen Zukunftsfond finanziert.
2014 sind im Hamburger Laika- Verlag die von Maren Westermann übersetzten Erinnerungen Enio Mancinis mit Textbeiträgen von Christiane Kohl, Carlo Gentile und Gabriele Heinecke zur historischen und juristischen Aufarbeitung erschienen.
2016 wurden Gabriele Heinecke, Maren und Horst Westermann zu Ehrenbürgern der Comune di Stazzema ernannt.
Infos: www.organodellapace.org