Jede unserer Organisationen hatte seinen Kommandeur und seinen politischen
Kommissar. Am Abend gab es immer die "politische Stunde". Man sprach
über ganz so ziemlich alles, über die Verpflegung, den Hunger, die
Bewaffnung. Aber auch über unser Benehmen, unser Verhalten als Partisan
und da wurden auch Sachen diskutiert wie: wie verhalten wir uns dem Feind gegenüber,
wie verhalten wir uns untereinander? Natürlich lief nicht immer alles glatt.
Unsere ersten Gruppen waren fast alle geleitet von Leuten mit einer langen politischen
Erfahrung, von Kommunisten und Sozialisten, die teilweise Gefängnis hinter
sich hatten und insofern ein sehr starkes politisches Bewusstsein. Und wir waren
sehr wenige, insofern gab es bei uns einen sehr starken Austausch mit vielen
Gesprächen und ein entsprechend korrektes Verhalten fast jedes Einzelnen.
Nach dem Sommer 1944, als täglich bis zu 100 Leute zu uns stießen,
gab es unter ihnen natürlich ein paar Leute, die sich nicht so korrekt
verhielten. Aber grundsätzlich, natürlich nicht immer, aber generell
wurde über solche Dinge diskutiert.
Sehr wichtig war, wer die Gruppe kommandierte. Der Kommandant wurde normalerweise
nicht eingesetzt, sondern man versuchte, dass der Verantwortungsbewussteste,
der Beste aus der Gruppe den Kommandantenjob bekam. Auch wenn von oben jemand
bestimmt wurde, wurde das, bevor derjenige eingesetzt wurde, in der Gruppe diskutiert
ob alle einverstanden waren. Insofern gab es großes demokratisches Niveau
innerhalb der Partisanengruppen auch wenn wir die Demokratie gar nicht kannten,
denn wir waren ja geboren als es den Faschismus schon gab.